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UG/GmbH Gründung: Das Stammkapital

Die Fragestellung

Dass das Mindeststammkapital einer GmbH bei 25.000 Euro und das einer UG theoretisch sogar bei nur einem Euro liegen, ist zumindest in Gründerkreisen weithin bekannt. Doch damit ist noch nicht die Frage beantwortet, welcher Stammkapitalbetrag sinnvollerweise gewählt wird. Bestehen Risiken, wenn ich einen zu geringen Betrag wähle? Muss das Stammkapital unangetastet bleiben?

Rechtlicher Hintergrund

Das Stammkapital ist das Kapital, das bei Gründung der Gesellschaft aufgebracht werden muss bzw. – wenn der Betrag nicht voll aufgebracht wird – für den die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen haften.

Das Stammkapital soll dem Gläubigerschutz dienen. Eine gläubigerschützende Wirkung kommt dem Stammkapital insoweit zu, als die Verpflichtung zur Angabe des Stammkapitals im Handelsregister potentiellen Vertragspartnern ermöglicht, sich zumindest grob über die ursprüngliche Kapitalausstattung der Gesellschaft zu informieren. Das Stammkapital stellt hingegen, anders als dies häufig angenommen wird, keinen Garantiefonds in dem Sinne dar, dass es als Kapitalpuffer in der Gesellschaft verbleiben muss: es kann investiert und ausgegeben werden. Lediglich die Auszahlung an die Gesellschafter ist grundsätzlich verboten – erfolgt sie dennoch, tritt persönliche Haftung ein.

Praxistipp

Gerade bei der UG ist es nicht sinnvoll, die Gesellschaft mit dem Mindeststammkapital auszustatten.

Gründer sollten sich folgendes vor Augen halten: Der oder die Geschäftsführer einer UG sowie einer klassischen GmbH sind verpflichtet, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen, wenn das Vermögen der Gesellschaft die Verbindlichkeiten mit Ausnahme der nachrangigen Verbindlichkeiten nicht mehr deckt (rechnerische Überschuldung) und nicht dargelegt werden kann, dass die Fortführung des Unternehmens über die nächsten zwei Geschäftsjahre wahrscheinlicher ist, als dessen Scheitern. Gerade bei Startups kann eine solche positive Fortführungsprognose oft nicht anhand objektiver Kriterien dargelegt werden. Wird der Insolvenzantragspflicht nicht nachgekommen, haften die Geschäftsführer für den entstehenden Schaden mit ihrem Privatvermögen. Bei Startups sollte also schon der Eintritt der rechnerischen Überschuldung vermieden werden, wenn eine positive Fortführungsprognose nicht anhand objektiver Kriterien dargelegt werden kann.

Wird ein Stammkapital von nur einem Euro gewählt, tritt rechnerische Überschuldung schon beim Kauf einer Briefmarke für Euro 1,45 ein, es sei denn, das Vermögen der Gesellschaft wird auf andere Weise erhöht, etwa durch die Gewährung nachrangiger Gesellschafterdarlehen oder Erwirtschaftung von Gewinn. Die Zuführung von Kapital über nachrangige Darlehen weist jedoch gegenüber der Ausstattung der Gesellschaft mit Stammkapital keinen wesentlichen Vorteil auf – eine Rückzahlung an die Gesellschafter wird nur erfolgen, wenn dadurch der Kapitalpuffer, der durch die Gewährung ursprünglich hergestellt werden sollte, nicht gefährdet wird. Das Stammkapital hingegen steigert die Reputation der Gesellschaft, da es im Handelsregister leicht einsehbar ist.

Nach alledem empfiehlt es sich sowohl für die GmbH als auch für die UG, dass das Stammkapital mindestens die folgenden Kosten abdeckt: Die Gründungskosten, soweit sie von der Gesellschaft getragen werden, die bis zum optimistisch prognostizierten break-even anfallenden übrigen Anlaufkosten sowie einen angemessenen, durch den Unternehmer festzusetzenden Kapitalpuffer.


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Über Christoph Schemel

Christoph Schemel ist Rechtsanwalt und Inhaber von „Rofan - Recht rund ums Unternehmen“. Rofan verfolgt einen neuen und kundenorientierten Ansatz im juristischen Markt: Rechtsdienstleistungen werden nicht mehr wie bisher nach Zeitaufwand abgerechnet, vielmehr weiß der Kunde schon bei Mandatierung, welche Kosten auf ihn zukommen. Möglich wird dies durch Festpreisangebote, die überdies sehr knapp kalkuliert sind. Angeboten werden etwa Gründungen von GmbHs und UGs oder Markenanmeldungen. Weitere Informationen finden Sie unter http://rofan-gesellschaftsgruendung.de oder http://facebook.com/rofan.law.

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