Selbstständig und doch nicht allein: Wie Coworking kollaboratives Arbeiten ermöglicht

Ob als autonomer Freelancer, Gründer eines kleinen Start-Ups oder digitaler Nomade – wer als Freiberufler arbeitet, profitiert bekanntlich zwar in höchstem Maße von seiner neu gewonnenen Unabhängigkeit, doch ist man gerade zu Beginn der Selbstständigkeit vor allem auch eines: alleine. Aus diesem Grund fällt es besonders den Menschen schwer, sich ausreichend zu motivieren, die vorher in einem Büro mit Kollegen zusammengearbeitet haben und nun plötzlich ganz auf sich allein gestellt sind. Praktischerweise stand die (Weiter-)Entwicklung zeitgemäßer Arbeitsformen in der jüngsten Vergangenheit aber keineswegs still, wodurch sich neue und zugleich innovative Möglichkeiten für Selbstständige ergeben haben. Dabei sticht besonders das sogenannte Coworking heraus – aber was ist das denn eigentlich genau? Welche Vorteile bietet diese Art der modernen Bürogemeinschaft? Und wie kann das Zusammenarbeiten mit anderen Freiberuflern überhaupt funktionieren?

Coworking Vorteile
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Das digitale Zeitalter hat uns nicht nur zahlreiche spektakuläre Ideen gebracht und neue Wege eröffnet, sondern gleichzeitig auch unser Verständnis von Arbeit im Allgemeinen nachhaltig verändert. Dank des Internets, den technologischen Weiterentwicklungen im Smartphone- und Computerbereich oder auch der Möglichkeit, von nahezu überall aus mit anderen Digital Natives zusammenzuarbeiten, ist man heutzutage nicht mehr an einen speziellen Ort gebunden. Allerdings hat diese gesteigerte Flexibilität auch dazu geführt, dass immer mehr selbstständige Freelancer alleine und relativ abgeschottet in ihrem Home Office gearbeitet haben – bis Anfang der 2000er Jahre im berühmt-berüchtigten Silicon Valley das sogenannte Coworking entstanden ist. Seitdem hat sich diese Form der Bürogemeinschaft wie ein Lauffeuer in der ganzen Welt verbreitet und auch hierzulande ist Coworking mittlerweile in aller Munde. Ein guter Grund also, diese recht spezielle Arbeitsform etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Coworking in Deutschland: Definition und Entwicklung

Einfach gesagt handelt es sich beim Coworking – was übersetzt übrigens so viel bedeutet wie „gemeinsam(es) arbeiten“ – um einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz (meist in einem Großraumbüro in einem schicken Loft), den man sich mit anderen Selbstständigen und Freiberuflern teilt. Die Idee dahinter ist, dass Freelancer so nicht mehr in ihren eigenen vier Wänden versauern, sondern soziale Kontakte aufbauen und von der kreativen Gemeinschaft profitieren können. Und dass dieses Prinzip funktioniert, zeigen nicht nur die aktuell über 150 Gemeinschaftsbüros in der Hauptstadt Berlin, sondern vor allem auch die zahlreichen Coworking Spaces in kleineren Städten, wie zum Beispiel in Hildesheim oder in der Rattenfängerstadt Hameln.

Darüber hinaus bieten die Gemeinschaftsbüros, in die man sich für einen Tag, eine Woche oder gleich für einen kompletten Monat einmieten kann, noch einen weiteren und überaus praktischen Vorteil: Ein eigenes Büro in direkter Nähe zum aktuellen Kunden. Dazu sagt Fabian Simon, Gründer und Geschäftsführer der Werbeagentur Synatix: „Das Coworking-Modell ist nicht nur für Selbstständige interessant, sondern ebenso auch für größere Unternehmen, die häufig über einen längeren Zeitraum mit externen Freelancern an Projekten zusammenarbeiten, denen jedoch keinen eigenen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen können“. Die durch die zeitlich flexibel anmietbaren Gemeinschaftsbüros entstehende Nähe zum Kunden ermöglicht Selbstständigen also eine deutlich dynamischere Arbeitsweise, ohne sich an die räumlichen Gegebenheiten bei dem Kunden vor Ort anpassen zu müssen.

Die weiteren Vorteile des Coworking-Prinzips

Neben den bereits erwähnten Vorzügen eines Gemeinschaftsbüros, bietet ein Coworking Space aber noch einige weitere interessante Möglichkeiten. Zum einen kommen hier laut dem Online-Magazin Zeit viele verschiedene und interessante Menschen zusammen, die zwar frei voneinander arbeiten, sich jedoch bei Bedarf schnell und unkompliziert austauschen und unterstützen können. Zum anderen stellen die meisten Coworking-Büros nahezu alle notwendigen Dinge zur Verfügung, auf die ein Freelancer nur ungern verzichten möchte: Eine schnelle Internetverbindung (ohne dabei auf unsichere WLAN-Hotspots in Cafés oder anderen öffentlichen Räumen angewiesen zu sein), ein eigener Arbeitsplatz und frei nutzbare Konferenzräume, sowie wichtige Hardware (Scanner, Drucker, Flipcharts, Beamer und Co.) und natürlich auch Gemeinschaftsräume, in denen man seine Kreativität voll entfalten kann. Ebenso kann man unnötig lange Kündigungsfristen umgehen und sich stattdessen genau so lange einen Coworking Space anmieten, wie man ihn auch benötigt.

Außerdem bietet die bunte Mischung an Selbstständigen aus den verschiedensten Bereichen und Altersklassen einen idealen Nährboden für innovative Ideen sowie kreative und spontane Kooperationen – sei es nun in Bezug auf gemeinsame Projektarbeit, Mentoring-Programme und Workshops oder kollaborative Events zum Austausch und zur gleichzeitigen Stärkung des Wir-Gefühls. Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf die Kosten: Die Preise für einen Coworking Space können je nach Lage und Anbieter zum Teil recht stark variieren. Im Schnitt kostet ein Tagespass rund 20 Euro, während die wöchentliche Miete bei etwa 100 bis 150 und monatlich bei bis zu 400 Euro liegen kann. Dafür hat man allerdings einen zeitlich unbegrenzten Zugang zu den Räumlichkeiten und – je nach Anbieter – sogar Zugriff auf Car Sharing und auf ein eigenes Büro. Wem also die Decke auf den Kopf fällt, sollte sich einfach mal einen Coworking Space in der Nähe anschauen und selber entscheiden, ob sich dieser tatsächlich als idealer Ort zum Arbeiten eignet.

Bildquellen

  • cowomen-ZKHksse8tUU-unsplash: Unsplash
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